Der Berufsverband Kinematografie

Kinematografie ist eine Wortschöpfung aus den altgriechischen Worten „Kinema“, das eine Bewegung, Erschütterung, innere Regung bezeichnet, und „Graphe“, das zeichnen, malen oder schreiben bedeutet.

Der BERUFSVERBAND Kinematografie

Der Berufsverband Kinematografie hat zum Ziel, die kollegiale Zusammenarbeit und den fachlichen Dialog im Bereich der Kinematografie zu fördern und die Arbeitsbedingungen für künstlerisch-schöpferische Arbeit stetig zu verbessern.

Er setzt sich dafür ein, die Berufsbilder im Bereich der Kinematografie weiterzuentwickeln und die medien- und urheberrechtliche Gesetzgebung in Deutschland aktiv und konstruktiv mitzugestalten und unterstützt Mitglieder in beruflichen Angelegenheiten. 

Der Verband organisiert fachübergreifende Veranstaltungen zusammen mit anderen Verbänden, Organisationen und Unternehmen sowie Seminare, Workshops, Exkursionen, Symposien, Thementage und regelmäßige regionale Treffen in fast allen Filmregionen.

Er engagiert sich darüberhinaus in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für das Ansehen und die Interessen des Berufsfeldes, veröffentlicht den jährlichen CameraGuide und unterhält ein umfassendes internes Kommunikations-netzwerk.

BERUFSBILDER

Tätigkeitsschwerpunkte

Der Bundesverband Kinematografie ist aktiv in der publizistischen Arbeit über die bvkmedien GmbH und vernetzt sich international über die IMAGO – European Federation of Cinematographers.

Er ist Mitveranstalter der „Marburger Kameragespräche“ und vergibt dabei auch den Marburger Kamerapreis. Zudem ist er Kooperationspartner des CAMERIMAGE International Festival of the Art of Cinematography. 

Er setzt sich für die Umsetzung des Arbeits- und Urheberrechts, vertritt die Interessen seiner Mitglieder in Fachgremien und Ausschüssen und verhandelt und schließt kollektivvertragliche Regelungen wie die Gemeinsamen Vergütungsregeln nach dem Urheberrechtsgesetz (GVR) ab.

Der Verband ist in der VG Bild-Kunst aktiv und beteiligt sich an der Initiative Urheberrecht.

Es bestehen Arbeitsgemeinschaften mit anderen Berufsverbänden, wie dem CineTechnik Bayern e.V. / cinec München und dem Deutschen Foto- und Filmmuseum Deidesheim.

Der Verband kooperiert auch mit dem Paul-Klinger Künstlersozialwerk, der Pensionskasse Rundfunk und der PresseVersorgung.

Zusätzlich betreibt er ein Beratungsnetzwerk für Film- und Fernsehberufe und ist als fachkundige Stelle gutachterlich tätig.

Weitere Informationen

Kameraleute sehen sich traditionell eher als Einzelkämpfer. Sie erdenken Apparate, die es auf dem Markt nicht gibt und schaffen neue Anwendungsgebiete für solche, die in traditionellen Techniken verwendet werden. Sie kümmern sich um Vermittlung ihres Wissens und ihrer Erfahrung an die nächste Generation. Sie handeln ihre Verträge aus, erkämpfen sich oft für ihre jeweiligen Projekte sinnvollere Rahmenbedingungen, die ihre Arbeit erleichtern, das Ergebnis verbessern und damit einem Film zu einer tieferen Wirkung beim Zuschauer verhelfen. Während der Drehphase eines Films sind sie als wichtigste Mitarbeiter des Regisseurs hauptverantwortlich für die visuelle Umsetzung des Drehbuchs.

Angesichts der zunehmenden Konzentration in der Film-und Fernsehindustrie zeigte sich schon in der Vergangenheit, dass man als Einzelkämpfer zur nachhaltigen Durchsetzung aller dieser Ziele zu schwach ist. Es erwies sich die Notwendigkeit, einen engeren Kontakt untereinander zu pflegen, einen Berufsverband zu gründen.

Schon früher gab es solche Zusammenschlüsse von Kameraleuten in Deutschland: Guido Seeber war vor dem 2. Weltkrieg der Initiator des Clubs Deutscher Kameramänner (Kamerafrauen gab es damals nicht, das hat sich heute sinnvollerweise gründlich geändert!) Im Dritten Reich wurde der CDK aufgelöst und in die Arbeitsfront überführt.

Nach dem Krieg gründete eine Gruppe um Walter Pindter, Franz Koch, Friedl Behn-Grund und Ernst W. Kalinke den CDK neu. Diesem Beispiel folgten andere Filmberufe. Unter dem Namen DACHO entstand eine Dachorganisation praktisch aller beim Film tätigen Berufsgruppen.

Zu dieser Zeit erlebte die Filmbranche einen kräftigen Aufschwung, die Beschäftigungslage in der Branche boomte, alle hatten zu tun. Leider stellte sich mit den Jahren eine deutliche Verbandsmüdigkeit ein und viele glaubten, auch ganz alleine zurecht zu kommen.

Das Fernsehen übernahm jetzt zunehmend die Rolle des Kinos, die Besucherzahlen gingen rapide zurück. In den Produktionen musste man sich zwangsläufig auf neue Strukturen umstellen. Auch auf neue Anforderungen, eine Fernseh-Ästhetik entstand.

Dies betraf auch die Kameraleute, selbst wenn eine gute Fotografie, die Beherrschung der technischen Mittel, dramaturgische Kenntnisse und das Wissen um eine künstlerische Umsetzung natürlich nach wie vor die Voraussetzung für interessante Engagements blieb. Man sah sich aber einer neuen Produktionslandschaft gegenüber und musste auf deren Vorgaben reagieren.

Wieder entstand die Einsicht, dass man vieles besser zusammen meistern könnte. So wurde 1980 in München der BVK – Bundesverband Kamera gegründet. Schnell stießen Kollegen aus Berlin und Hamburg dazu. Der Vorstand erledigte die Verbandsarbeit zunächst am heimischen Schreibtisch. Schon bald zeigte es sich aber, dass zu einer wirklich effektiven Verfolgung der ins Auge gefassten Ziele ein ständiges Büro mit einer festen Kraft unverzichtbar war. Mit dem erfreulich raschen Anwachsen der Mitgliederzahl und den ständig sich ausweitenden Aufgabenfeldern wurde es nötig und möglich, einen Geschäftsführer einzustellen und die Zahl der ständigen Mitarbeiter zu erweitern. Im Gegensatz zu vielen Kameraverbänden nimmt der BVK auch Operator, Steadicam-Operator, Kameraassistenten, DITs, Datenassistenten und Coloristen/Grader als stimmberechtigte Mitglieder auf.

Der Verband genießt heute in der Fachöffentlichkeit ein hohes Ansehen. Er wird zunehmend von anderen Verbänden und staatlichen Stellen zur Mitarbeit herangezogen, wenn es um die Belange der Branche geht – und ist als „fachkundige Stelle“ für Gerichte und Ämter gutachterlich tätig.

Der BVK ist Gründungsmitglied der IMAGO. Er stellt Mitglieder im Verwaltungsrat der Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst und ist im Deutschen Kulturrat vertreten. Er bietet für seine Mitglieder Weiterbildungs- und allgemeine Informationsveranstaltungen zu vielen Themen an. Der BVK nimmt über verschiedenste Wege Einfluss auf Tarifverträge, Gesetzgebungsvorhaben, Geräteentwicklung in der Industrie, aktuelle Standards der Nachbearbeitung und vieles mehr.

Eine große Verbreitung findet der jährlich im Verlag der bvkmedien GmbH erscheinende CameraGuide. Dieses Nachschlagewerk diente seit seinem erstmaligen Erscheinen als Vorbild für ähnliche Guides verschiedenster nationaler und internationaler Filmverbände. Der CameraGuide liegt nicht nur auf fast allen Schreibtischen der Branche, er ist auch im Internet in ständig aktualisierter Form zugänglich.

2012 wurde der BVK zum „Berufsverband Kinematografie“ umbenannt, weil sich die Verantwortung und der Inhalt unserer Berufstätigkeit im Begriff „Kinematografie“ klarer zeigt, als im rein technischen Begriff „Kamera“. Mit der Digitalisierung der Produktion sind auch neue Arbeitsbereiche in unserem Berufsfeld entstanden.

Zukunftsgerichtet und mit Nachdruck setzt sich der BVK für die Durchsetzung des Urheberrechts der Kinematografen ein. Als Urheberverband steht er nicht nur an der Seite der anderen Berufsverbände, sondern ist auch um Dialog und zielgerichtete Entwicklung unserer Branche mit den Verbänden der Produzenten und den Werknutzern – etwa Fernsehanstalten – bemüht.

Viele Probleme, denen sich der Berufsstand und die ganze Filmwirtschaft gegenüber sehen, bedürfen einer Lösung – und manches erfordert einen sehr langen Atem. Das bisher Erreichte macht uns aber Mut und Zuversicht.

Wolfgang Treu, im November 2012

Die Kinematografie ist eine Kunstform, die ausschließlich dem Film eigen ist. Sie erfordert eine einzigartige Form von Fotografie mit originären ästhetischen Prinzipien. Technisch gesehen fügt sie dem zweidimensionalen fotografischen Bild eine dritte Dimension hinzu, indem sie ein sich über die Zeit veränderndes Bild aufzeichnen kann und so den zeitlichen Ablauf eines Ereignisses, einer Bewegung abzubilden in der Lage ist.

Der Begriff gründet sich auf Bewegung und dennoch geht Kinematografie weit über das Aufschreiben von Bewegung hinaus. Sie bezeichnet im Ursprung des Wortes nicht die Mechanik des Apparates, sondern das Festhalten einer inneren Bewegung, das Aufschreiben einer Emotion oder eines Gedankens. (Rolf Coulanges) Die tiefere, eigentliche Aufgabe der Kinematografie ist es, durch die Abfolge der Bilder – sei es in einer Plansequenz, innerhalb einer jeden einzelnen Einstellung, sei es durch die Abfolge mehrerer Einstellungen – dem Filmwerk einen Sinn zu verleihen, der die Summe der Einzelbilder transzendiert und der Aussageabsicht des Kinematografen und des Regisseurs entspricht.

Rolf Coulanges führt hierzu aus: Dies wird in der Plansequenz am deutlichsten; ihre Charakteristik besteht nur mittelbar in der Bewegung auf der Schiene, am Kran oder mit dem Steadicam. Alle Bewegung wird von einem Gefühl für den Raum, die Zeit und die Entwicklung des Gedankens getragen; das Moment, mit dem diese innere Bewegung entsteht, ist die Erfahrung des Raums und die Veränderung der Perspektive durch Verlagerung des eigenen Standpunktes, was durchaus auch wörtlich verstanden werden darf. Die „Kinema“, die innere Bewegung, ist aber nicht auf ihre Verwirklichung in der Plansequenz beschränkt. Auch zwischen festen Einstellungen ereignet sich Bewegung, wenn sie zu einer Sequenz zusammengefügt werden, denn Bilder reagieren in ihrer Abfolge aufeinander, wann immer sie einen inneren Zusammenhang miteinander haben.

Kinematografie ist ein Prozess von Kreativität und Interpretation, der in der Miturheberschaft an einem originären Werk mündet, im Gegensatz zur bloßen unreflektierten, unkritischen Abbildung eines äußeren Ereignisses.
Die Kinematografie ist keine Unterkategorie der Fotografie, vielmehr ist die Fotografie eine von vielen Kunstfertigkeiten, die der Kinematograf nutzt – zusätzlich zu weiteren physikalischen, organisatorischen, leitenden, interpretativen und bildbeeinflussenden Techniken – um einen stimmigen, zusammenhängenden Prozess zu bewirken, der vordergründig zur Aufzeichnung von bewegten, fotografischen Bildfolgen führt.

In einer tieferen Ebene entstehen durch die Kinematografie Sinnzusammenhänge, Gefühle und letztlich durch künstlerischen Ausdruck eine Interpretation der Wirklichkeit. Diesem Zweck haben die vorgenannten technischen und organisatorischen Parameter zu folgen.

Die Kinematografie hat also, über die fotografische Ebene und die zeitliche Komponente hinaus – die gleichermaßen gestaltet sein wollen – eine übergeordnete inhaltliche Ebene. Ereignisfolgen müssen daher hauptsächlich im Hinblick auf die zu übermittelnden Inhalte angemessen aufgenommen und die jeweiligen Aktionen vor der Kamera mit den Kamerabewegungen abgestimmt und choreografiert werden. So müssen grundsätzliche, kinematografische Entscheidungen dazu getroffen werden, ob die Kamera der szenischen Aktion folgt oder sich autonom bewegt, ob sie beschreibt, reagiert oder agiert. Dabei haben die Lichtsetzung, der Aufbau der Szenerie und die Perspektive nicht nur den Erfordernissen der sich bewegenden Objekte, der sich bewegenden Kamera und der sich dadurch verändernden Bildausschnitte Rechnung zu tragen, sondern letzten Endes immer denen der Aussage, die getroffen werden soll.

 

Johannes Kirchlechner 2013


Quellen: Griechisches Wörterbuch zur Philosophie; ASC; Rolf Coulanges