COLORIST

Sie sind Expert:innen in der technischen und kreativen Bearbeitung von Bewegtbildern in der Postproduktion und tragen wesentlich zum „Look“ eines Films bei.

1. VORBEMERKUNG

Colorist:in ist eine eigenständige Tatigkeit.
Colorist:innen erschaffen gemeinsam mit der/dem DoP dramaturgisch passende Look-Konzepte und setzen diese mit den geeigneten Werkzeugen im Color Grading um. Sie sind diesbezüglich zentrale Bezugspersonen für DoP, Regie, VFX und Produktion und sorgen für effiziente Kommunikation und eine gemeinsame Farbsprache.
Colorist:innen sind zuständig für farbliche Gestaltung und Abstimmung von Bewegtbildern in der Postproduktion. Sie besitzen aktuelles Wissen im Bereich der kreativen und technischen Bildbearbeitung und haben einen guten Überblick über Farbtrends und -stilrichtungen. Sie verfügen über Einfühlungsvermögen in die erzählten Geschichten und Sinn für Dramaturgie. Sie besitzen Kenntnisse über den gesamten Filmproduktionsablauf und die Arbeitsprozesse der involvierten Departments, z.B. VFX, Szenenbild, Kostüm, Maske.

Der Begriff „Color Grading“ beschreibt den Prozess der farblichen Nachbearbeitung von Bildmaterial.

So können Farbe, Helligkeit und Kontrast für das gesamte Bild oder für Teilbereiche präzise verändert werden, um ein durchgängiges, kreatives Farbkonzept für einen Film zu erschaffen – wesentliche Elemente für den sogenannten „Look“. Auch unterschiedliche Kamera- und Bildformate lassen sich angleichen und Aufnahmeprobleme beheben, z.B. Lichtwechsel oder eine nachträgliche Korrektur des Weißabgleichs. Andere gängige, teilweise aber unpräzise oder veraltete Bezeichnungen für Color Grading sind u.a.: Farbkorrektur, Color Matching, Color Correction, Digital Intermediate (DI) und Lichtbestimmung. Der Begriff Lichtbestimmung bezeichnet ausschließlich den Vorgang der farblichen Anpassung mittels Einstellung der Kopierlichter im fotochemischen Kopiervorgang.
Diese Tätigkeit ist prinzipiell unabhängig vom Color Grading und wird bzw. wurde von den Lichtbestimmer:innen (engl. Color Timer) durchgeführt.

2. AUFGABEN

Colorist:innen begleiten Produktionen oft über die gesamte Produktionsdauer. Sie bewerten und bearbeiten in Zusammenarbeit mit der/dem DoP das Bildmaterial, um eine höchstmöglich kreative, konzeptgetreue und technische Qualität für das filmische Endprodukt zu gewährleisten.
Dafür sind zahlreiche grundlegende theoretische und praktische Kenntnisse erforderlich, sowie kreative und technische Fähigkeiten und auch einige weiterführende Qualifikationen in folgenden Bereichen wünschenswert:

  • Farbenlehre
  • Farben und Stile in Kunst-, Kultur- und Filmgeschichte
  • Fotografie
  • Kadrage und Pan & Scan
  • Kamerasysteme: Funktionsweise, Einsatzmöglichkeiten und Kompatibilität
  • Optik und Filterkunde
  • Kopierwerkstechnik und Filmbearbeitung
  • Filmmaterialkunde
  • Verfahrensparameter für die Filmausbelichtung
  • Videotechnik und Signalübertragung
  • Digitale Aufzeichnungstechnologien (Kompression, Abtastung, Codecs, Containerformate, etc.)
  • Display- und Projektionstechnologien
  • Displaykalibrierung (als optionale Zusatzqualifikation)
  • Color Grading Software und Hardware
  • Color Management Systeme
  • Noise und Grain Management
  • Einhaltung technischer Sendenormen
  • Ablauf einer Film- bzw. Fernsehproduktion

3. TÄTIGKEITSBEREICH

Aufgegliedert nach Produktionsphasen Vorbereitung, Drehzeit und Nachbearbeitung umfasst er in der

Vorbereitung:

  • Lesen des Drehbuchs und Einarbeitung in die Geschichte
  • Besprechung und Kreation von dramaturgisch passenden Look-Konzepten mit DoP und ggf. anderen Departments
  • Bewertung und Besprechung von Testaufnahmen mit DoP und ggfs. anderen Departments
  • Erstellung von Looks für die Verwendung am Set und ggf. direkt in der Kamera
  • Beratung zu möglichen Workflowmodellen im Hinblick auf die bestmögliche kreative und technische Endfertigung

 

Drehzeit:

  • Qualitätskontrolle des Bildmaterials
  • Grading der Bildmuster in Zusammenarbeit mit der/dem DoP, als sogenannte „Dailies Colorist:in“

 

Nachbearbeitung:

  • Planung des finalen Color Gradings unter Einhaltung des gegebenen Zeit- und Budgetrahmens
  • Kommunikation mit Postproduktions- und VFX Supervisor:innen
  • Durchführung des finalen Color Gradings in Zusammenarbeit mit der/dem DoP für alle nötigen Auswertungsformen, z.B. Kino, TV, Video on Demand, etc.
  • Bildabnahme in Zusammenarbeit mit der/dem DoP

 

Der konkrete Umfang der Tätigkeiten kann unterschiedlich ausfallen in Abhängigkeit von der jeweiligen Produktionsart: Werbung, Dokumentarfilm, Serie oder Spielfilm. Colorist:innen arbeiten in dauerhafter bzw. projektbezogener Beschäftigung oder auf freiberuflicher Basis.